Christoph Stender

:: interpunktion

Zweite Adventswoche: "Dein Leben soll Heil sein"

Freitag (14. Dezember 2001)

Nicht um des Gesetzes Willen,
sondern um des Menschen Willen.

Wort des Propheten Jesaja:

"So spricht der Herr, dein Erlöser, der Heilige Israels:
Ich bin der Herr, dein Gott, der dich lehrt, was Nutzen bringt,
und der dich auf den Weg führt, den du gehen sollst.
Hättest du doch auf meine Gebote geachtet!
Dein Glück wäre wie ein Strom und dein Heil wie die Wogen des Meeres.
Deine Nachkommen wären (zahlreich) wie der Sand und deine leiblichen Kinder wie seine Körner.
Ihr Name wäre in meinen Augen nicht getilgt und gelöscht."
(Jes. 48,17-19)

Impuls:

Hier "berichtet" (Gotteswort in Menschenwort) uns der Prophet Jesaja über Gott, der verärgert ist über den Menschen: "Hättest du doch auf meine Gebote geachtet!" Der Grund seiner Verärgerung liegt nicht in der Tatsache dass der Mensch einfach die von Gott gegebenen Gebote missachtet, sondern seine Verärgerung gründet in der Missachtung dieser Grenzen, die dazu führen, dass das Leben der Menschen in Gefahr gerät. Ziel der Vorgaben Gottes ist nicht die Einhaltung von Geboten um ihrer selbst willen sondern um des Menschen willen.

Der Mensch braucht Gebote die seinen Freiheitsdrang da begrenzen, wo der Mensch selbst sie zum reinen Egoismus degradiert, und so das Wohl der Gemeinschaft und in ihr das eines jeden Einzelnen aufs Spiel setzt. Nicht Gott erlässt Gebote aus reiner Selbstherrlichkeit, sondern Gebote werden not - wendend auf Grund des lebens- und gemeinschaftsbedrohenden Verhaltens der Menschen.

Den meisten von uns sind die 10 Gebote so ungefähr noch geläufig. Sie waren die "regulierende Antwort Gottes" auf das Verhalten der Menschen. Rückwirkend kann sich eine Vorstellung des Verhaltens der Menschen von damals auf Grund dieser Gebote gemacht werden.

Die Menschen erhoben zum Göttlichen das, was sie aufgrund ihrer Erkenntnis dafür hielten. So hatten sie klare Vorstellungen von dem, was ein Gott zu sein hatte und wie er sich bitteschön auch verhalten sollte. Diesen Konstrukten fühlten sich die Menschen dann auch verpflichtet oder besser gesagt, sie fühlten sich so nur sich selbst verpflichtet. So meinten die Menschen auch nicht, einem besonderen Tag verpflichtet zu sein, an dem besonders einem unabhängigen Gott gedacht und dieser verehrt werden sollte. Nun aber kamen die Menschen nicht mehr zur Ruhe, weil sie ja ständig an ihren Göttern arbeiten mussten. Wer nun andere Vorstellungen von dem selbstgemachten Ewigen hatte, musste folgerichtig zum Gegner erklärt werden, der dann in "Gottes Namen" zum Freiwild ernannt wurde. Der Weg, Menschen nun auch töten zu dürfen, natürlich nur um des höheren Gutes willen, war nicht mehr weit, zumal nun nicht mehr das gemeinsame Geschaffensein durch einen Gott akzeptiert werden konnte.

Relativ waren die Menschen, die älter wurden und nicht mehr mit dem gängigen Tempo mithalten konnten. Da waren selbst die eigenen Eltern lästig, die kurzerhand abgehängt wurden. Wer selbstherrlich nur sich selbst vor Augen hatte, brauchte sich dann an Bindungen auch nicht mehr zu halten. Schnell war das Gegenüber einer Partnerschaft in die Wüste geschickt, weil da etwas anderes im Auge war. Was galt denn nun noch das Gut des Anderen. Begehren war lästig und langfristig auch zu wenig, also wurde sich halt was genommen, was gebraucht wurde. Wurde da von Jemandem behauptet, das werde "Stehlen" genannt, so wurde dieser kurzerhand der Verleumdung bezichtigt. Es wurde standfest vertreten, das sei doch immer schon Eigentum gewesen ... oder so.

So, oder so ähnlich könnte es unter den Menschen damals gewesen sein, auf Grund dessen Gott die Interpunktionen des Menschen durch die 10 Gebote korrigieren wollte. Eines jedenfalls ist nicht zu übersehen. Auch wenn diese Vermutungen des Verhaltens der Menschen damals vielleicht nicht ganz zutreffen mögen, so sind sie als Beschreibung für so manches Verhalten in der Gesellschaft auch nicht ganz falsch.

Die Gebote damals lauteten:
Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.
Du sollst dir kein Gottesbildnis machen, das irgendetwas darstellt am Himmel droben,
auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.
Du sollst dich nicht vor anderen Göttern niederwerfen und dich nicht verpflichten,
ihnen zu dienen.
Achte auf den Sabbat: Halte ihn heilig, wie es dir der Herr, dein Gott,
zur Pflicht gemacht hat.
Ehre deinen Vater und deine Mutter.
Du sollst nicht morden.
Du sollst nicht die Ehe brechen.
Du sollst nicht stehlen.
Du sollst nicht Falsches gegen deinen Nächsten aussagen.
Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen
und du sollst nicht das Haus deines Nächsten begehren.
(nach Dtn 5,7ff)

Für das Gelingen einer Gesellschaft heute, in der auch Einzelne nicht auf der Strecke bleiben sollen, klingen diese Gebote immer noch recht vernünftig. Es geht auch heute nicht darum, dass Menschen blind irgendwelche Gesetze erfüllen. Diese Gesetze dienen den Menschen auch heute noch dazu, sich selbst in Freiheit und Verantwortung zu fragen, ob sie im Begriff sind, richtig in den Augen Gottes zu handeln.

Ein Gedanke für den Tag:

Wie stehe ich zu den Geboten Gottes die sich bündeln lassen in der Botschaft Jesu:
Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.

Fragment des Vorsprechens vor Gott:

Reflextiere ich an den 10 Geboten mein Verhalten?
Was steuert mein Handeln?
Schaffe ich selbst Gebote in meinem Umgang mit anderen Menschen?
Ist Selbstliebe und Nächstenliebe gleichwertig in meine Denken und Verhalten und wo neige dazu eher Abstriche zu machen?
Ist Gott ein akzeptierter "Gesetzgeber" für mich!

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