Christoph Stender

:: interpunktion

Zweite Adventswoche: "Dein Leben soll Heil sein"

Samstag (15. Dezember 2001)

Mensch, was begeistert dich noch?

Wort des Propheten Jesaja:

"Da stand ein Prophet auf wie Feuer, seine Worte waren wie ein brennender Ofen.
Er entzog ihnen ihren Vorrat an Brot, durch sein Eifern verringerte er ihre Zahl.
Auf Gottes Wort hin verschloss er den Himmel und dreimal ließ er Feuer herniederfallen.
Wie Ehrfurcht gebietend warst du, Elija, wer dir gleichkommt, kann sich rühmen.
Du wurdest im Wirbelsturm nach oben entrückt, in Feuermassen himmelwärts.
Von dir sagt die Schrift, du stehst bereit für die Endzeit, um den Zorn zu beschwichtigen,
bevor er entbrennt, um den Söhnen das Herz der Väter zuzuwenden
und Jakobs Stämme wieder aufzurichten.
Wohl dem, der dich sieht und stirbt; denn auch er wird leben."
(Sirach, 48,1-4.9.11)

Impuls:

Das Buch Jesus Sirach ist eigentlich eine lockere Sammlung von Weisheiten. Hier werden Themen angesprochen wie Freundschaft, Gottesfurcht, Takt und Klugheit, Genuß, Verantwortung, Begierde. Aber auch über den rechten Gebrauch des Wortes und die Geduld wird hier zum Beispiel Stellung genommen. Gedacht waren diese Weisheiten für junge Menschen der damaligen Zeit, die in einer Sprache und einem Werteverständnis zusammen getragen wurde, die den Jahren um 180 v. Chr. entsprach. Gegen Ende des Buches werden auch Menschen in den Mittelpunkt gerückt, die in ihrem Erzählen von Gott als Vorbilder galten.

Mit hoher Wertschätzung wird in unserem Text von einem Propheten gesprochen der auftrat wie Feuer und seine Worte waren wie ein brennender Ofen. Niemand würde heute solche Worte wählen um deutlich zu machen, das ein Mensch in seinen Worten authentisch, überzeugend, begeisternd, ansprechend und klar ist. Doch jene, die die Menschen damals aufhorchen ließen, waren Persönlichkeiten die absolut überzeugt waren von dem, was sie den Menschen zu erzählen, zu berichten und zu deuten hatten.

Das ist bis heute auch so geblieben. Wir spüren es, ob ein Mensch hinter dem steht, was er zu sagen hat und davon begeistert ist oder nicht. Wer als authentisch erlebt wird in Bezug auf das, was er vertritt, erntet in der Regel auch Akzeptanz. Das heißt noch nicht, dass der Hörende sich auch der Meinung des Ausführenden anschließt, aber seine Worte werden gehört und wahrgenommen.

Da wir in dieser nun schon fast beendeten zweiten Adventswoche fragmentarisch unseren Blick auf den gerichtet haben, den Gott ansprechen möchte, nämlich auf uns selbst, darf die Frage nach der Begeisterungsfähigkeit des Menschen, nach unserer Begeisterungsfähigkeit auch erlaubt sein.

Gott möchte die Menschen für sich begeistern. Begeisterung für Gott hat aber auch immer die Begeisterung für andere Menschen zur Folge, und die kann nur glaubhaft vermittelt werden, wenn wir auch von uns selbst begeistert sind. Von sich selbst begeistert sein, weil letztlich Gott auch seine Begeisterung für die Menschen nicht verbergen will, bedeutet aber nicht ständig, die Welt wissen zu lassen, wir seien die Größten, Schönsten und Klügsten. Begeisterung fängt im Stillen an, in unserem Herzen, in den Tiefen unseres Empfindens. Die Begeisterung für einen anderen Menschen, eine Idee oder den Glauben an Gott, nimmt seinen Auftakt nicht in Jubelstürmen und sich die Schenkel breit klopfen.

Die Be - geist - erung eines Menschen, wenn sie denn kein Strohfeuer ist, wächst langsam und gelangt irgend wann an den Punkt, jenes, das ihn begeistert, mit anderen teilen zu wollen.

  • Wer sich in einen anderen Menschen verlieben durfte und nun auch hören, spüren und erleben darf, dass diese Liebe gegenseitig ist, der wird irgend wann nicht mehr verschweigen wollen, einen geliebten Menschen haben zu dürfen und voller Freude davon auch erzählen.
  • Wer auf eine gute Idee gekommen ist, und sie hat reifen lassen, der wird diese Idee dann anderen mitteilen wollen.
  • Wer von der Botschaft Gottes in Jesus Christus begeistert ist, wird das nicht für sich behalten wollen.
  • Die Begeisterung für uns selbst ist oft sehr still, sie ist oft nur in solchen Entscheidungen zu hören, wie: das packe ich jetzt an ... Stimmt der Satz noch: Wovon das Herz voll ist, davon quillt der Mund über.
  • Können wir uns noch begeistern lassen von einem Gott, der der ganz Andere bleibt, aber an der Seite unseres Lebens und Überlebens steht?
  • Können wir uns begeistern für einen Gott, der uns annimmt, wie wir sind, uns aber trotzdem nach da Veränderung zutraut, wo es in unserem Leben etwas zu veredeln gibt?
  • Können wir uns begeistern lassen für einen Gott, der auch den annimmt, dem wir jedwede Akzeptanz verweigern?
  • Können wir uns noch für eine Schöpfung begeistern, die trotz des Wirkens des Men schen eine ungeahnte Vielfalt und Schönheit bewahrt hat?
  • Können wir uns begeistern, für die Vielfalt ehrlich und aufrecht zu lieben und geliebt zu werden?
  • Können wir uns für all das begeistern, das anders ist als wir selbst? Sind wir von uns selbst begeistert?
  • Weiter aber darf auch gefragt werden:
    Und zu was motiviert uns unsere Begeisterung, wenn wir uns denn überhaupt begeistern lassen? Haben wir auch den Mut, anzusprechen, was uns begeistert? Wovon das Herz voll ist, davon quillt der Mund über, stimmt das noch immer?

Ein Gedanke für den Tag:

Wie begeisterungsfähig bin ich, beziehungsweise, möchte ich sein?

Fragment des Vorsprechens vor Gott:

Gott, von dir begeistert zu sein, fällt mir schwer.
Ich bin eher so ein Typ, der nicht so leicht zu begeistern ist.
Ja, ich kann mal ganz lustig sein, aber dann muss es auch gut sein.
Wer sich von einer Sache begeistert gibt, dem traue ich eher nicht.
Begeisterung für dich ist Privatsache, nicht wahr, lieber Gott.
Begeisterungsfähig bin ich, aber mit dem Danach hapert es oft.

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