Christoph Stender

:: interpunktion

Dritte Adventswoche: "Was werden wir in der Krippe finden"

Dienstag (18. Dezember 2001)

Aus dem Buch Jeremia:

Seht, es kommen Tage – Spruch des Herrn –, da werde ich für David einen gerechten Spross erwecken. Er wird als König herrschen und weise handeln, für Recht und Gerechtigkeit wird er sorgen im Land.
In seinen Tagen wird Juda gerettet werden, Israel kann in Sicherheit wohnen. Man wird ihm den Namen geben: Der Herr ist unsere Gerechtigkeit.
Darum seht, es werden Tage kommen – Spruch des Herrn –, da sagt man nicht mehr: So wahr der Herr lebt, der die Söhne Israels aus Ägypten heraufgeführt hat!,
sondern: So wahr der Herr lebt, der das Geschlecht des Hauses Israel aus dem Nordland und aus allen Ländern, in die er sie verstoßen hatte, heraufgeführt und zurückgebracht hat. Dann werden sie wieder in ihrem Heimatland wohnen.
(Jer 23,5-8)

Impuls:

Was werden wir in der Krippe finden?
Heimat!
Sicherlich nicht in diesem Stall, aber in den Augen dessen, der uns in dieser Krippe anschaut, den Augen eines Kindes.

Alles was uns umgibt, ist uns letztlich nur geliehen. Selbst die Erfüllung der tiefsten Hoffnung des Menschen, geschenkte und so geglückte Liebe ist uns nur geliehen. Immer wieder spüren wir wie relativ all das ist, was uns unser Leben bedeutet. Nichts werden wir halten können. Geliebte Menschen wenden sich ab, Sicherheiten zerbrechen, Träume werden ausgeträumt, Hoffnungen verwehen, Kräfte schwinden und auf den letzten Tag unseres Lebens hin zerrinnt all unser da sein wie Sand in unseren Händen.

All jenes das wir Heimat in unserem Leben nennen, ist heimatlos! Doch hinter all dem was wir loslassen müssen, blickt uns dieses Kind an. Alle Vergänglichkeit lässt nicht vergänglich werden, was in dieser Krippe liegt und uns anschaut. In diesen Augen strahlt uns unsere Heimat an. Eine Heimat die aber nicht zur Flucht aus dem Diesseits einlädt.

All das, was wir unser Leben nennen gilt es ernst- und anzunehmen. Gott wird Mensch, mitten in unserem Leben, und berührt so unser Leben, weil er es aufheben will. Schwere Stunden, tiefster Schmerz, Krankheit und der Verlust eines geliebten Menschen, all das was unser Leben oft so fragwürdig werden lässt, sind Grund genug zu protestieren, sich aufzubäumen und auch an Gott zu zweifeln. Schmerz und Leid relativieren sich nicht angesichts unseres Glaubens, von Gott in diesem Kind angeschaut zu werden.

Aber hinter all unsrem Leid und unserem Schmerz gibt es eine Heimat. Sie ist kein billiger Trost oder gar die Erklärung für die Schmerzen des Menschen. Aber all unser Leid, unsere Freude und die Menschen auf unserem Weg und mit ihnen unser Vergehen, ist nicht das letzte Wort. Das letzte Wort liegt in dieser Krippe und kreuzt unsere Blicke.

Die Tatsachen, dass unser ganzes Leben in letzter Konsequent durchkreuzt ist, hat hier seine Heimat.

Ein Gedanke für den Tag:

Heimatlos ist was wir unsere Heimat nennen.

Fragment des Vorsprechens vor Gott:

Was bedeutet für mich Geborgenheit.
Mein Glaube und mein Scheitern.
Wo suche ich Heimat.
Alls was mich glücklich sein lässt ist nur geliehen.

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