Christoph Stender

:: interpunktion

Dritte Adventswoche: "Was werden wir in der Krippe finden"

Mittwoch (19. Dezember 2001)

Wort aus dem Buch der Richter:

Damals lebte in Zora ein Mann namens Manoach, aus der Sippe der Daniter; seine Frau war unfruchtbar und hatte keine Kinder.
Der Engel des Herrn erschien der Frau und sagte zu ihr: Gewiss, du bist unfruchtbar und hast keine Kinder; aber du sollst schwanger werden und einen Sohn gebären.
Nimm dich jedoch in Acht und trink weder Wein noch Bier und iss nichts Unreines!
Denn siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären. Es darf kein Schermesser an seine Haare kommen; denn der Knabe wird von Geburt an ein Gott geweihter Nasiräer sein. Er wird damit beginnen, Israel aus der Gewalt der Philister zu befreien.
Die Frau ging und sagte zu ihrem Mann: Ein Gottesmann ist zu mir gekommen; er sah aus, wie der Engel Gottes aussieht, überaus Furcht erregend. Ich habe ihn nicht gefragt, woher er kam, und er hat mir auch seinen Namen nicht genannt.
Er sagte zu mir: Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären. Trink jedoch keinen Wein und kein Bier und iss nichts Unreines; denn der Knabe wird von Geburt an ein Gott geweihter Nasiräer sein, bis zum Tag seines Todes.
Die Frau gebar einen Sohn und nannte ihn Simson; der Knabe wuchs heran und der Herr segnete ihn
(Ri 13,2-7.24-25a)


Impuls:

Was werden wir in der Krippe finden?
Schon im Alten Testament gibt es Hinweise darauf, daß Gott seine Geschichte mit dem Menschen an außergewöhnliche Ereignisse bindet. So verkündet ein "Bote" Gottes einer in unserem Text namenlosen Frau: "Denn siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären." Maria, die Mutter Jesu, bewahrte eine ähnliche und doch einmalige Botschaft in ihrem Herzen, so wie es im Neuen Testament uns berichtet wird.

Die Botschaft, die Maria empfangen hat, hat sich erfüllt und so stellt uns jedes Weihnachten immer wieder neu vor die Frage: Was werden wir in der Krippe finden?

Wir finden ein Kind, fast nackt, zerbrechlich und hilfsbedürftig. Schnell sehen wir, wie die Tradition überliefert, in diesem Kind den Sohn Gottes, das ganz besondere und einmalige Geschenk Gottes an die Menschheit. Sicherlich ist diese Blickrichtung richtig, wenn sie uns aber auch sehen läßt, daß in dieser Krippe der Leib eines Kindes liegt, der heranwachsen wird um ein Mann zu werden.

Gott nimmt die Gestalt eines Menschen an, wird ganz Mensch in einem menschlichen Leib, einem Körper wie dem unsrigen. Gott nimmt einen Leib an. In dieser Krippe finden wir den angenommenen Leib Gottes in diesem Kind namens Jesus, den wir bekennen als den Christus.

Wir wissen zwar nicht wie Jesus ausgesehen hat, ob er schön und attraktiv war oder auch nicht. Es ist auch gut so, daß wir das nicht wissen wie Jesus ausgesehen hat. Denn die Annahme auch unseres Leibes durch Gott Menschwerdung in Jesus Christus ist nicht an die Kriterien schön, attraktiv oder wie auch immer gebunden.

Jeder geschenkte Leib ist im Werden und Vergehen einmalig und wertvoll und nicht der Kategorie schön oder nicht schön zu unterwerfen.
Sicherlich dürfen wir uns freuen über einen schönen Leib, der unseren Augen schmeichelt. Sicherlich fühlen wir uns in einem gepflegten und wertgeschätzten Leib wohl. Natürlich ist ein alternder Leib ein gebrechlicher oder ein kranker Leib nicht immer schön anzuschauen. Dennoch ist er schön in den Augen Gottes, der an keinem Menschen vorbeischaut nur weil er dem momentan geltenden Schönheitsidealen, von Menschen immer neu definiert, nicht entspricht.

In der Krippe sehen wir unseren angenommenen Leib. Wie auch das Jesuskind auf Zärtlichkeit angewiesen war, um unter uns Menschen leben zu können, so ist auch unser Leib angewiesen auf Zärtlichkeit. Wir sehnen uns in unserem Leib einfach danach gestreichelt und angenommen zu sein, unabhängig von Alter und Gesundheit.

Weil wir einen Leib haben können wir aus Liebe einen anderen Menschen bitten: Leg deinen Leib als Mantel mir um.
In der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus streichelt Gott unseren Leib und sagt du bist schön!


Gedanke für den Tag:

Wie bin ich zu Hause in meinem Leib?


Fragment des Vorsprechens vor Gott:

Wie gehe ich mit meinem Leib um.
Achte ich auf die Sprache meines Leibes.
Nehme ich mich in meinem Leib an.
Wie stark bestimmt die Erscheinung eines anderen Menschen in meine Reaktionen.
Bin ich dankbar für meinen Leib, auch wenn er nicht den stets wechselnden Schönheitsidealen entspricht.


Macht hoch die Tür, oder: Wach auf, du Mensch!

1. Wach auf, du Mensch und öffne dich weit, Gott kommt im Glanz der Einfachheit. Kein König und kein Königreich so unser Freund und Heil zugleich. Der Lebensfreude mit sich bringt, mit ihm das neue Lied erklingt: Ich lobe meinen Gott, den Schöpfer voller Tat.
(Nach der Melodie: "Macht hoch die Tür...")

nach oben

Konzept, Webdesign: XIQIT GmbH