Christoph Stender

:: interpunktion

Dritte Adventswoche: "Was werden wir in der Krippe finden"

Samstag (22. Dezember 2001)

Wort aus dem Buch Samuel:

Als sie ihn entwöhnt hatte, nahm sie ihn mit hinauf, dazu einen dreijährigen Stier, ein Efa Mehl und einen Schlauch Wein. So brachte sie ihn zum Haus des Herrn in Schilo; der Knabe aber war damals noch sehr jung. Als sie den Stier geschlachtet hatten, brachten sie den Knaben zu Eli, und Hanna sagte: Bitte, mein Herr, so wahr du lebst, mein Herr, ich bin die Frau, die damals neben dir stand, um zum Herrn zu beten. Ich habe um diesen Knaben gebetet und der Herr hat mir die Bitte erfüllt, die ich an ihn gerichtet habe. Darum lasse ich ihn auch vom Herrn zurückfordern. Er soll für sein ganzes Leben ein vom Herrn Zurückgeforderter sein.
Und sie beteten dort den Herrn an.
(1 Samuel 1,24-28)


Impuls:

Was werden wir in der Krippe finden?
Keine Garantien für unser Leben, sondern die im Leben spürbare Gewissheit, aus dem Glauben an Gott in Jesus Christus, Zukunft haben zu dürfen in Gott.
Das Symbol des Loslassens an der Krippe ist Maria und Josef. Ihnen ist bewusst, dass sie nicht halten können, was ihnen in der Krippe liegend geliehen, ja nur gezeigt ist. Diese selbe Maria später unter dem Kreuz Jesu, wird dort zur Ikone des Loslassens. Das Leben ist uns "nur" geliehen, wohl mit einer das Leben überwältigenden Perspektive, unser Leben überleben zu dürfen.

Das Geschenk unseres Lebens ist das großartigste was uns passieren kann. Aber es bleibt uns "nur" geliehen. Deshalb sollten wir unser Leben lieben, genießen, pflegen, teilen, aus Liebe verschenken, feiern, und uns dankbar verneigen vor der Gabe unseres Leben und vor dem, der uns diese Gabe geliehen hat.

Wir erfahren immer wieder das Leben nicht nur Gelingen bedeutet, Leben bedeutet auch verlieren und das oft sehr schmerzhaft. Wer Leben will muss loslassen. Wer nicht bereit ist loszulassen, hat schon keine Wahl mehr, er ist schon Tod. Leben ist nur im Loslassen zu haben. Leben aber heißt auch loslassen in der Hoffnung das das, was wir am meisten Lieben, uns am längsten begleiten darf.

Es scheint ungerecht aber das Leben ist so und nicht anders.

Das Leben ist nun mal nicht anders zu haben denn als eine Leihgabe. Aber die Welt kennt nichts größeres und schöneres, als diese Leihgabe geliehen zu bekommen, und dann auch noch erfahren zu dürfen wir sind als Leihgabe geliebt.


Ein Gedanke für den Tag:

Mein Leben, eine Leihgabe.


Fragment des Vorsprechens vor Gott:

Leihgabe zu leben.
Wir haben kein Recht auf ein langes Leben.
Das Leben lieben und genießen.
Das Leben im Bewusstsein leben es "nur" anvertraut haben zu können.
Für das Leben stark sein wollen und das mit aller Kraft.
Abgeben können.


Macht hoch die Tür, oder: Wach auf, du Mensch!

4. Wach auf, du Mensch und öffne dich weit, bei dir geborgen Göttliches sei. Als Mutter wird sie Leben dir sein, in ihr wird Zukunft dich erfreun, so sag zum Leben endlich ja, mit Lust und Würde fröhlich ja, dich lob ich, Mutter mein, aus dir ist alles Sein.
(Nach der Melodie: "Macht hoch die Tür...")

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