:: interpunktion
Vierte Adventswoche: "Begreift, welch ein Geschenk"
4. Adventssonntag (23. Dezember 2001)
Aus dem Evangelium nach Matthäus:
Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete - durch das Wirken des Heiligen Geistes.
Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen.
Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.
Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.
Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat:
Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, / einen Sohn wird sie gebären, / und man wird ihm den Namen Immanuel geben, / das heißt übersetzt: Gott ist mit uns.
Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.
(Mt 1,18-24)
Impuls, Gedanke für den Tag und Fragment des Vorsprechens vor Gott:
Mit dem vierten Adventssonntag sind in diesem Jahr der Heilige Abend und die Festtage der Geburt Jesu zum Greifen nahe gekommen. Der Advent hat seine "Erwartung" nun fast verloren, und bleibt doch auch Erwartung der Zukunft für uns Menschen, immer wieder, immer wieder neu.
Festtagstimmung und bei manchem auch Festtagsflucht ist nun angesagt.
Ich hoffe Sie können sich auf diese Tage der Weihnacht freuen.
Für mich wäre es ein gutes Gefühl, wenn meine fragmentarischen Gedanken zum Advent Ihre Gedanken und Empfindungen ein wenig bereichert hätten.
Ich möchte heute mit zwei Texten, an eine Frau erinnern, die im Advent fast unmerklich immer dabei ist, als eine faszinierende und starke Persönlichkeit, die sich entschieden hat mit ihrem ganzen Leben auf Gott verweisen zu wollen, und die in der Krippe wieder hinter den zurücktritt auf den sie zeigt. Ihr Name ist Maria.
Der folgende Text entstand, in einer sehr persönlichen Auseinandersetzung mit der Person Mariens, im Kontext der Ausstellung "Schatzansichten", die ich in diesem Jahr in der Domschatzkammer Aachen gestalten durfte.
Maria

Der Weg
diese einzigartige Frau zu erspüren
führt nicht über Definitionen,
fromme Erzählung
oder Attribute,
sondern über den stolpernden Versuch,
einen Menschen zu lieben
mit Haut und Haar.
ENTSCHLOSSEN
NATÜRLICH
ERWARTEND
VERTRAUEND
Mein geliebter Mensch
traute mir sein nacktes Leben zu
ich nahm es in meine Hände
spürte unendlich schwach
die Kraft
die diese Maria
so stark sein ließ.
Bruch des Klischees "Mensch"
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Auch dieser Text ist im Rahmen der Ausstellung "Schatzansichten" entstanden, und ist eine Anleihe an ein sehr altes Gebet der Christenheit, dem "Gegrüßet seist du Maria", das ich wagte in meinen Worten zu sprechen.
Höre meinen Gruß
Mutter Leben
Gegrüßet seist du Frau
gerufene Maria
Gott bat dich um deine Liebe
du schenktest ihm all dein Fühlen
obwohl sein Gesicht dir verborgen
du ihm nahe
unteilbarer Augenblick
so verlassen
umgeben von unbekannter Wärme
dir vertraut
streicheltest du deinen Bauch
spürtest Leben
dir geliehen
du geschenkt
uns gezeigt
Mutter
gerufene Maria
hilf uns dieser Wärme trauen
die wir selbst auf Kälte bauen
verraten so wonach wir suchen
Mutter
gerufener Mensch
hilf uns deine Hoffnung hoffen
um im Sterben loszulassen
was Gott uns nur geliehen
damit wir spüren
des Lebens Leben
Amen
Mit dem folgenden Lied wünsche ich Ihnen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest, in der Hoffnung, dass es in uns Spuren hinterlässt, die das neue Jahr 2002 nicht spurlos an uns vorüber gehen lassen!
Macht hoch die Tür, oder: Wach auf, du Mensch!
5. Begreife Welt, steh auf jeder Mensch. Allem was lebt, ist Zukunft geschenkt; nehmt zärtlich ihre Nähe auf und lasst sie sein bei Euch zuhaus. Ihr Geist wird in uns Leben sein, sie führt uns nun zur Ewigkeit, dich lob ich, Mutter mein, aus dir ist alles Sein.
(Nach der Melodie: "Macht hoch die Tür...")
Mit frohem Gruß
Ihr
Christoph Stender
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