Christoph Stender

:: interpunktion

Forumsbeiträge zum 3. Dezember

Thema: Veränderung

Autor/in Beitrag
Cecile

03.12.2001 18:58 Uhr

Hallo!

Ich weiß zwar nicht, ob hier irgendwer mitliest, aber vielleicht muss ja nur jemand den Anfang machen, damit dieses Forum ins Rollen kommt. Das mach ich jetzt in der Hoffnung, dass es zum Austausch über die wirklich anstrengenden Anstöße von Christoph Stender kommt.

Anstrengend finde ich den heutigen Impuls, weil es da heißt, dass man sich auf dem Weg zu Gott ständig verändern soll (bzw. die Bereitschaft dafür mitbringen soll). Ich weiß nicht genau, wie ich das finden soll. Denn einerseits ist es trivial, weil man sich durch sein Leben sowieso ständig verändert (Schule, Studium, Wohnortwechsel, Partnerschaft etc.).

Andererseits finde ich es auch sehr anstrengend. Denn seit ich Kind bin, wird mir immer in der Kirche erzählt, dass ich mich verändern soll. Wann darf ich denn dann die sein, die ich bin? Bin ich denn nie gut genug? Immer gehetzt? Immer auf der Suche? Auf dem Weg? Leider kann ich jetzt nicht so genau formulieren, worum es mir geht. Aber ich empfinde diese dauernde Forderung zur Veränderung als Belastung.

Kann das einer nachvollziehen? (Falls es einer liest)

Schöne Grüße
Cécile

Zarah

03.12.2001 19:03 Uhr

Von wegen hier liest keine(r) mit! Also grundsätzlich sehe ich Deine Ausführungen zum Stichwort Veränderung ganz ähnlich. Die Frage ist, ob ich so sein kann wie ich bin/mich so nehmen kann wie ich bin - durch Veränderung?! Erweitere und entwickle ich durch Veränderung mein: Ich bin! ?!

Oder ob das so sein können wie man ist/sich annehmen können - Veränderung herbeiführt?!

Der "Trampelpfad" hat mich angesprochen. Es stellt sich die Frage: Was ist das Schwere der je eigenen "Trampelpfade" und was ist das Leichte, Flexible, Vielseitige und doch so Ureigene?

Naja und tschüß!
Cecile

03.12.2001 19:08 Uhr

Oh, Hallo Zarah!

Das ist ja toll, dass doch noch eine hier ist. Vielleicht gibts ja noch mehr, ansonsten wirds eventuell ein nettes Zwiegespräch.

Am 03-12-2001 19:03 schrieb Zarah:
Die Frage ist, ob ich so sein kann wie ich bin/mich so nehmen kann wie ich bin - durch Veränderung?! Erweitere und entwickle ich durch Veränderung mein: Ich bin! ?!

Hierzu gleich eine Nachfrage: Wann ist man denn dann fertig? Erst wenn man stirbt? Wäre das nicht ziemlich traurig, wenn man auf dem Totenbett mit letzter Kraft die Faust hebt, ein "Fertig!" aushaucht und dann den Löffel abgibt? Ok, ein bisschen makaber, aber der Grundgedanke ist wohl klar.

Grüße!
Cécile
Cecile

03.12.2001 19:10 Uhr

Hallo Zarah,

ich hab noch was:

Am 03-12-2001 19:03 schrieb Zarah:
Der "Trampelpfad" hat mich angesprochen. Es stellt sich die Frage: Was ist das Schwere der je eigenen "Trampelpfade" und was ist das Leichte, Flexible, Vielseitige und doch so Ureigene?

Was meinst Du mit Schwere und Leichte? Sind mit Trampelpfaden nicht immer die schweren Sachen gemeint, also das Gewohnte, Eingeschliffene Unflexible? Wo sind Trampelpfade vielseitig? Ich verstehe das so, dass das Verlassen der Trampelpfade für das Flexible steht. Wäre nett, wenn Du mir erläuterst, wie Du den Trampelpfad siehst.

Schöne Grüße :-)
Cécile
Zarah

03.12.2001 19:17 Uhr

Am 03-12-2001 19:08 schrieb Cecile:
Wann ist man denn dann fertig? Erst wenn man stirbt?

Hallo Cécile,

mich verändern fiel mir schwer! Also abgesehen davon, dass ich hin und wieder ziemlich fertig bin...so gehts´ja wohl nicht darum, fertig im Sinne von perfekt zu sein/zu werden. Und ehrlich gesagt habe ich dazu auch keine Lust. Das ist mir total zu anstrengend! Ich finde Veränderung dann gut, wenn es mir gut geht und dann gehts´den anderen auch gut oder zumindest besser!

Grüße von der Zarah!
Philip

03.12.2001 19:20 Uhr

Am 03-12-2001 18:58 schrieb Cecile:
Andererseits finde ich es auch sehr anstrengend. Denn seit ich Kind bin, wird mir immer in der Kirche erzählt, dass ich mich verändern soll. Wann darf ich denn dann die sein, die ich bin? Bin ich denn nie gut genug? Immer gehetzt? Immer auf der Suche? Auf dem Weg? Leider kann ich jetzt nicht so genau formulieren, worum es mir geht. Aber ich empfinde diese dauernde Forderung zur Veränderung als Belastung.

Ja, ich kann das gut nachvollziehen. Ich verstehe auch nicht, warum ich mich denn verändern soll, und - in welcher Weise? Liebt mich denn Gott nun so, wie ich bin - oder erst so, wie ich werden soll, wobei ich nicht mal einen Hinweis bekomme, wie ich denn werden soll, wenn ich denn mal "in Richtung Gott" losstapfe?

Und wenn er mich in beiden Fällen liebt - welchen Unterschied macht die Veränderung?

Schwierig, das alles. Und nebenher alle Geschenke kaufen auch noch.
Philip

03.12.2001 19:33 Uhr

Apropos Trampelpfad: Heisst das nicht, das andere den Weg dann auch schon gegangen sind, und damit alleine schon durch den Pfad der vor mir mein Weg, wenn schon nicht vorgeschrieben, dann doch zumindest in der Wahl deutlich eingeengt ìst?

Schwierig, das alles. Und um kein Geschenk mehr. *SEUFZ*
Cecile

03.12.2001 19:40 Uhr

Am 03-12-2001 19:33 schrieb Philip:
Apropos Trampelpfad: Heisst das nicht, das andere den Weg dann auch schon gegangen sind, und damit alleine schon durch den Pfad der vor mir mein Weg, wenn schon nicht vorgeschrieben, dann doch zumindest in der Wahl deutlich eingeengt ìst?

Naja. 2000 Jahre Christentum legen wohl nahe, dass der eine oder andere sich schon mal bewegt hat. Es gibt ja auch Leute, die ich in dieser Hinsicht wirklich bewundere. Z.B. Albert Schweitzer oder Maximilian Kolbe. Aber ich bin nicht die und sehe auch nicht, dass ich die Kraft habe, mein Leben so radikal zu ändern. Was ich sagen will: Ganz so einfach kann man es sich bei ernsthafter Betrachtung m.E. nicht machen.

Schöne Grüße
Cécile
Ursula

03.12.2001 19:41 Uhr

Hallo zusammen,

eins vorab: Ich finde es echt Klasse, dass nun nach zwei Tagen der Ruhe Schwung in dieses Forum kommt. Danke an Cécile dafür, dass sie den Stein ins Rollen gebracht hat.

Ich habe aber auch noch was, das mich beschäftigt. Und zwar aus dem Teil "Fragment des Vorsprechens vor Gott"; da heißt es:

"Was will ich eigentlich von einem Gott, auf dessen Wegen ich mich auf ihn hin bewege?"

Gute Frage. Im Nachdenken darüber komme ich nicht wirklich weiter. Ok. Einerseits hat es eine soziale/gesellschaftliche Komponente. Es ist einfach meine Überzeugung, dass unsere Gesellschaft besser funktioniert, wenn ein Konzept wie Nächstenliebe umgesetzt wird. Aber wenn ich persönlicher werde und mich frage, was will ich, Ursula, ganz persönlich für mich von Gott, dann gerate ich ins Stottern und merke, dass dieser Gott eigentlich recht weit weg von mir ist und ich keine spezifischen Erwartungen an ihn habe.

Soviel erstmal von mir.
Ursula
Zarah

03.12.2001 19:48 Uhr

Hallo Cécile,

radikal ändern, schaffe ich auch nicht. Wann schafft man schon ein wenig?! Aber vielleicht machens´auch die kleinen Schritte und die dazugehörigen Zeitabschnitte...

Übrigens sind für mich z.B. u.a. Hildegard von Bingen, Dorthee Sölle, Luise Schotthoff, Gerda Lerner, beachtenswerte religiöse Vorlebepesonen...

Tja irgendwie auch noch mal interessant, in deren und anderen "Veränderungswegen" zu kramen ...

Zarah!

PS: Bin jetzt weg - vielleicht bis morgen!
Christoph Stender

04.12.2001 0:19 Uhr

Hallo ihr Teilnehmer und Teilnehmerinnen im Forum!

Es ist toll, daß einer den ersten Schritt gemacht hat und den Austausch eröffnet hat. Es ist ebenso ermutigend, daß andere einfach mit eingestiegen sind.

Die Bedeutung von Veränderung wurde in vielen der Rückmeldungen angesprochen. Dazu nun eine Anmerkung:

Ich verstehe unter Veränderung nicht die Erkenntnis nicht so sein zu dürfen wie man momentan ist. Ebenso bin ich nicht der Meinung daß der Anspruch zur Veränderung erst dann einen in Ruhe läßt wenn man gestorben ist. Unter Veränderung verstehe ich mehr die "Perspektiven" nicht zu übersehen, die uns werter gehen lassen als da zu bleiben wo wir heute sind, und zu meinen wir seien nun fertig und das wars. Ich bin auch der Überzeugung, dass wir vor Gott so sein dürfen wie wir sind! Aber mit Gott haben wir ein Angebot noch mehr Perspektiven für unser Leben in Anspruch nehmen zu können.

Das Ja Gottes zu uns befreit uns von den Vorstellungen so sein zu müssen oder zu wollen, wie andere meinen wie wir zu sein hätten.
Das Ja Gottes zu uns traut uns zu in dieser Welt noch etwas verändern zu können.
Das Ja Gottes zu uns eröffnet Hoffnungen die der Mensch selbst sich nicht geben kann.
Das Ja Gottes zu uns kann uns die Angst um uns selber nehmen, und läßt uns so angstfreier in unserer Welt leben.

Veränderung bedeutet nicht ständig defizitär zu sein, sondern die Bereitschaft, den Geschenken Gottes in meinem Leben immer wieder einen "Raum" zu geben. Und wer in seinen immer wieder neuen Lebenssituationen bereit ist Raum dem "ANDEREN" zu geben, der trägt den Wunsch auf Händen nicht so bleiben zu müssen wie man momentan ist, ohne sich allerdings zu verlieren.
Konrad

04.12.2001 1:24 Uhr

Hallo Christoph,

noch ein neuer Verfasser von Beiträgen für das Forum, auch wenn ich sonst mit dem System schon etwas mehr befaßt war :-) Damit das ganze aber nicht nur bei technischer Arbeit bleibt, sondern auch mal zu inhaltlicher übergeht, hier noch ein spätabendliches Nachhaken:

quote:
Und wer in seinen immer wieder neuen Lebenssituationen bereit ist Raum dem "ANDEREN" zu geben, der trägt den Wunsch auf Händen nicht so bleiben zu müssen wie man momentan ist, ohne sich allerdings zu verlieren.

Das sehe ich nicht so, und zwar deutlich. Einerseits klingt Deine Formulierung "..nicht so bleiben zu müssen" nach einem Leiden am 'Selbst im jetzt' (also am aktuellen Zustand) und daher einem deutlichen, und daher zunächst vor allem auf sich selbst gerichteten Wunsch nach Veränderung - zumindest meinem Bild der Veränderungen, das ich bisher aus den Beiträgen vernommen haben, wird das nicht gerecht.

Andererseits kann ich Veränderungen in meinem Leben, oder eben dem Raum für Anderes, fatalistisch gegenüberstehen; ich weiss, dass es ein Teil des Lebens ist ("The only thing constant is change." daher unausweichlich - aber nicht notwendigerweise etwas, das ich ersehne oder ablehne, einfach weil es sich dieser Kategorisierung entzieht. Insoferne ist auch der Wunsch irrelevant.

Wenn ich jetzt mal nach inneren (also in mir selbst) und äußeren Veränderungen (jenen in der Welt) unterscheide, ist ja immer die Frage, wie reagiere ich innen auf äußere Änderungen. Deine Position empfinde ich als Einladung einer inneren Änderung, ausgelöst durch eine äußere. Was ist aber mit den anderen Positionen: Welche äußeren Änderungen ergeben sich, die keine inneren Änderungen nach sich ziehen (z.B. gerade in persönlichen Extremsituationen), oder auch welche inneren Änderungen ergeben sich, gewollt oder ungewollt, ohne dass eine äußere Änderung daraus resultiert.

*hmmm* Da gibts zwar noch einiges mehr zu dem Thema, ich kriegs aber sprachlich gerade nicht gepackt. Mal sehen, ob eventuell noch andere Beiträge hier etwas mehr Klärung bringen.


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