Christoph Stender

:: augenblick berlin

Berlin, pulsierende Stätte
meiner von Schweigen umgebenden Angst

Ein Leben lag am Boden
in vier Wänden
schreiend still
Wo bist du Harlekin,
flüstere aus
mein neues Land

Berlin, ich hielt mich nicht mehr aus
Leben brach ungefragt aus mir heraus
Ich bin nicht der, den wir gesehen
Was vor euch steht sind Lebenswehen

Mein altes Leben, mögest du verzeihen
Neues unbekanntes Sein, lasse dich frei
Du starke Frau umarme meinen Leib
noch einmal mit deines Atem Hand
Danach betrete ich, an dich denkend,
das "Nicht unser Land"!

Ihr Freunde, was soll ich euch nun sagen
Du anderer Klang meines Namen,
was will ich mit dir wagen
Ich bin nicht der, der ich mal war
Zu sein, der ich bin, ist noch nicht wahr

So vieles kann ich noch nicht lassen
Was ich ersehne, einfach noch nicht fassen
Bist Du mir auf den Leib geschrieben?
Ich bin unendlich mehr als meine Triebe

Wo sind meine klaren Gedanken
Was will sich um mein Herz nun ranken
Haltet mich fest, doch haltet mich nicht
Wer schreibt für mich der Sehnsucht ein Gedicht:

Berlin, nach diesem Augenblick
Du bist nicht Zufall, Fügung – nicht mein Gedicht

Großstadtbühne eines Augenblicks
Ein – Mann – Stück ohne Rampenlicht
Dein Anfang war schon längst begonnen!

Berlin, was kümmert mich dein Name
Du Stadt, ungezählter kleiner Zimmer,
was konntest du schon ahnen?
Du bist und bleibst, ein Zimmer Berlin

Du Augenblickberliner, heimatlos
Dein junger Name, auf meinen Lippen lebensgroß
Mensch meiner Liebe gnadenlos
Was bleibt, was wird auch morgen bleiben
Zeig mir dein Immerschon:

...und ich sah dieses Lächeln in deinem Gesicht
das ich, mit dir, so wehrlos liebe!

– Gedicht des Augenblicks –

Aus "Dank Dir auf den Leib geschrieben – Ein Geschenk zum Weiterdenken" erschienen beim Bergmoser + Höller Verlag, 1999.

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