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Neue Wege zur Sakralkunst

Neue Wege zur Sakralkunst

Die Aachener „Schatzansichten“ des Hochschulpfarrers Christoph Stender

Von Angelika Storm-Rusche

Gewiss mangelt es der Aachener Domschatzkammer nicht an Besuchern; ganz im Gegenteil: Etliche Hundert, manchmal noch mehr strömen täglich zu den berühmten Schätzen. Sie bewundern ihren kunst-historischen und kunsthandwerklichen Rang – schließlich werden sie hier vor allem museal präsentiert.

Christoph Stender jedoch, Leiter der Katholischen Hochschulgemeinde Aachen, wünscht sich, besser noch den Besuchern einen vertiefenden Blick auf die Kunstwerke. Er soll nicht auf der schönen Oberfläche – etwa einer mit allem weltlichen Prunk versehenen Monstranz – Halt machen. Er soll die Dinge durchdringen und damit ihre sakrale Bedeutung in die Betrachtung einbeziehen. Es geht ihm um Bewusstmachung der durch den Glanz überdeckten Zweckbestimmung der Objekte und – auf diesem Umweg – auch um Reflektion und um Erkenntnis elementarer Lebensthemen: Liebe, Macht, Sterben, Sexualität und Krieg.

Um diesen Anspruch verständlich zu machen, hat der Hochschulpfarrer in den ihm vom Domkapitel überlassenen Räumen der Schatzkammer die ungewöhnliche Ausstellung „Schatzansichten“ eingerichtet, ohne auch nur eines der alten Sakralwerke zu verstellen. Sie sind vielmehr einbezogen in die neuen, ungewohnten „Schatzansichten“, bereichert um Installationen mit Verweis-Charakter und durch sechs bisher unveröffentliche Exponate, die – so Christoph Stender – die in der Schatzkammer präsente Zeitspanne einerseits in die ferne, andererseits in die junge Vergangenheit ausdehnen.

Ein „Fränkischer Baumsarg“ weist zurück in das 7., der „Zerstörte Messkelch“ bereits in das 20. Jahrhundert. Beide tragen alle Zeichen der Vergänglichkeit, die durch die Zeit eingegrabene und die durch Bombenkrieg ausgelöste Zerstörung. So bergen sie ein Memento mori in sich. Christoph Stender rückt diese Bedeutungsebene ins Bewusstsein. „Bedenke Mensch: Von der Erde bist du genommen und zur Erde kehrst du zurück!“

„Provocare“ heißt das Motto der aktuellen Ausstellung. Provozieren soll sie, das heißt „auffordern“ und verborgene Sinnschichten „hervorrufen“ und letztlich die alten Sehgewohnheiten in, Frage stellen, und dies sogar physisch. Denn manche Texte erschließen sich erst, wenn man sich über eine hohe Brüstung beugt oder vor Spiegeln kniet.

Domschatzkammer Aachen bis 1. Juli; Mo 10 bis 13 Uhr, Di-So 10 bis 18 Uhr, Do 10-21 Uhr; Publikation 48,50 DM.

Quelle: Bonner General-Anzeiger, 9.6.2001.
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