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Wird Karl verschlissen?

Wird Karl verschlissen?

Talkrunde in der Aachener Hochschulgemeinde

Talkrunde zu Karl dem Großen mit Bischoff Mussinghoff, Schatzkammer-Leiter Minkenberg, Hochschulpfarrer Stender, Historikerin Nelsen und Krönungsausstellungs-Kurator Kramp (v.l.)

Verschlissen sei sicher so manches Bild über Karl den Großen, eröffnete Hochschulpfarrer Christoph Stender die „etwas andere Talkshow“ mit dem Titel „Der verschlissene Karl?“ und fragte provokativ „Was ist Karl der Große im letzten Jahr nicht alles gewesen? Und vor welche Karren wurde Karl nicht alles gespannt?“ Seine Gäste die Historikerin Heike Nelsen, der Leiter der Domschatzkammer Dr. Georg Minkenberg und der Kurator der erfolgreichen Krönungsausstellung Dr. Mario Kramp setzen sich beinahe täglich mit dem historischen Karl auseinander oder feiern wie der Aachener Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff an dem Ort Gottesdienst, den Karl der Große begründet hat.

„Ohne Karl wären wir alle heute nicht hier, denn ohne Karl kein Dom und kein Bischofssitz, kein Domschatz und natürlich auch keine Krönungen“, fasste Minkenberg die Bedeutung Karls für Aachen zusammen. Und so wurden Fragen zum historischen Karl, der Rezeptionsgeschichte, dem heiligen Karl oder seinen Darstellungen in der Kunst beantwortet. „Jedes Bild Karls des Großen zeigt auch immer eine bestimmte Sicht, und jede Zeit hat ihn deshalb auch für die eigenen Zwecke eingespannt“, erläuterte Heike Nelsen. So sei davor zu warnen, den Karlsbildern als historischen Quellen kritiklos zu trauen.

Karl sei einem Steinbruch vergleichbar, aus dem sich jeder bediene, ergänzte Kramp, der noch einmal daran erinnerte, dass auch die Nationalsozialisten ihn für ihre Zwecke eingespannt hätten. Bis heute werde Karls Namen gerne genutzt, um damit zu werben, wie das Beispiel der soeben eröffneten „Carolus–Thermen“ in Aachen zeige.

Demgegenüber stellte Bischof Mussinghoff den „heiligen“ Karl heraus, der ihm in seiner Sorge um das Wohl seiner Kinder und mit seiner Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft auch heute noch sympathisch sei, auch wenn er nicht in jeder Hinsicht zum Vorbild tauge. Aber die Vorstellung von einer religiös motivierten Herrschaft, wie sie sich bei Karl finde, sei auch heute noch bedenkenswert. So gebe der „heilige“ Karl drei Aufgaben für die Zukunft: 1. Wie verantworten wir Macht? 2. Sollte neben der Wirtschaft nicht auch die Kultur den Weg der Gesellschaft rnitbestimmen? Und 3., dem Beispiel Karls mit seinen glänzenden Kontakten folgend, müsse nicht Europa sich zukünftig noch stärker um Ausgleich und Versöhnung in der Welt bemühen?
GoB

Quelle: Kirchenzeitung für das Bistum Aachen, 56. Jg., 4.2.2001, S. 21.
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