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Friedensarbeit: „Projekte wachsen, wo Menschen sich begegnen“

Friedensarbeit: „Projekte wachsen, wo Menschen sich begegnen“

Annett Werner und Andreas Günther gehen im Auftrag von Pax Christi für drei Jahre nach Derventa in Bosnien. Schnelle Erfolge erwarten sie nicht.

Von unserer Mitarbeiterin Martina Stöhr

AACHEN. Menschen in Kontakt und Begegnung bringen: Das ist die Friedensmission von Andreas Günther und Annett Werner, die. im Auftrag von Pax Christi Aachen für drei Jahre nach Derventa in Bosnien gehen. „Wir haben kein fertiges Handlungspaket“ antworten sie auf die Frage, was sie dort im Einzelnen tun werden. Und: „Projekte wachsen, wo Menschen sich begegnen.“

Nun wurden sie offiziell verabschiedet, und als Vorstandsmitglied von Pax Christi betonte Gerold König, wie wichtig Friedensarbeit in Bosnien gerade heute noch sei, obwohl Politiker und Ministerien dies bestritten. „Wir wollen Öffentlichkeit schaffen für etwas, was nicht mehr auf der Agenda steht“, hieß es bei der offiziellen Abschiedsfeier.

Denn dass es im Nachkriegsgebiet Bosnien einiges zu tun gibt, davon sind die zwei Friedensarbeiter überzeugt. Vor Ort wollen sie Menschen und Partner finden, um Prozesse anzustoßen, die die Gemeinsamkeiten der unterschiedlichen Volksgruppen in den Mittelpunkt rücken und nicht deren Unterschiede.

Gerade die Arbeit mit jungen Menschen sei wichtig, meint Annett Werner. „Denn sie sind die Hoffnung für die Zukunft des Landes.“ Die beiden Friedensarbeiter wollen einen Beitrag dazu leisten, dass die Menschen in Derventa Feindbilder abbauen und lernen, wieder einen Schritt aufeinander zuzugehen.

Annett Werner arbeitet seit 2001 in der Geschäftsstelle von Pax Christi in Aachen und hat auch während dieser Zeit Erfahrungen im Friedensdienst in Bosnien gemacht. Sie hat den „schmerzhaften Annäherungs- und Versöhnungsprozess“ in den letzten Jahren hautnah erlebt, und wenn sie jetzt erneut ihre Koffer packt und für drei Jahre nach Derventa geht, tue sie das, weil sie gelernt habe, wie wichtig ein langer Atem in einer solchen Nachkriegssituation sei.

Im Aufbruch: Annett Werner (2. von links) und Andreas Günther (2. von rechts) gehen für drei Jahre nach Bosnien. Links Karin Ziaja, neue Referentin für Friedensarbeit bei Pax Christi in Aachen, rechts Hochschulpfarrer Christoph Stender.

Kleine Schritte

Annett Werner erwartet keine schnellen Erfolge. Es gehe bei diesem Projekt nicht um Häuserbau oder Lebensmittelpakete. „Ich schätze viel mehr die Intention von Pax Christi, in kleinen Schritten vorzugehen, den einzelnen Menschen wahrzunehmen, zuerst mal zuzuhören und nachzufragen, um dann gemeinsam Pläne mit den Menschen vor Ort zu machen.“

Begleitet wird sie in ihrer Mission von dem evangelischen Pfarrer Andreas Günther, der in den vergangenen Jahren in Indien als Theologe und Pfarrer für Frieden und Versöhnung gearbeitet hat. Dort habe er das Thema des Dialogs zwischen Religionen und Kulturen als seinen Ansatz erkannt. „Wo Menschen über Grenzen hinweg Freundschaft schließen, sind sie weniger anfällig für spaltende Ambitionen bestimmter Gruppen“, meint er.

Er ist überzeugt, dass er seine in Indien gemachten Erfahrungen in Derventa einbringen kann und hofft, „dazu beizutragen, dass sich Beziehungen zwischen den verschiedenen Gruppierungen vertiefen, dass Vertrauen wachsen kann, dass Menschen Verschiedenartigkeit nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung verstehen lernen“.

Während der offiziellen Aussendungsfeier in den Räumen der Katholischen Hochschulgemeinde in Aachen nahmen die zwei Friedensarbeiter Blumen und Meine Geschenke entgegen, die sie auf ihrem Weg begleiten sollen.

Neue Referentin

Gleichzeitig hauen die Gäste Gelegenheit die neue Referentin für Friedensdienste bei Pax Christi Aachen kennen zu lernen. Nachfolgerin von Annett Werner, die bislang in diesem Amt tätig war, ist Karin Ziaja. „Ich freue mich auf die neuen Aufgaben“, sagte sie. „Besonders spannend finde ich, dass ich an dem neuen Projekt in Derventa gleich von Beginn an mitarbeiten kann.“ Dass die gelernte Diplom-Ingenieurin Polnisch spricht, wird ihr dabei sicherlich zugutekommen.

Sie ist unter der deutschen Minderheit in Polen aufgewachsen und siedelte mit ihren Eltern nach Düsseldorf um, als sie acht Jahre alt war. Seit Januar ist sie nun für Pax Christi in Aachen tätig.

Quelle: Aachener Zeitung, 1. Februar 2007
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