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Durch die Brille des ganz normalen Touristen geschaut

Durch die Brille des ganz normalen Touristen geschaut

Nach 25 Jahren ist jetzt ein neuer Domführer auf dem Markt

Von Georg Dunnwald und Michaela Schröter

Aachen. Der alte Domführer ist nun schon beinahe 25 Jahre alt. Grund genug für Leo Blees vom Einhard-Verlag, einen neuen auf den Markt zu bringen. Also setzten sich die Historikerin Heike Nelsen-Minkenberg, der Theologe und Priester Christoph Stender und der Fotograf Pit Siebigs zusammen und überlegten, wie ein neuer Domführer aussehen könnte. Wichtig war den Autoren die leichte Handhabung des Domführers, im Taschenformat also. Zu dick durfte er auch nicht sein, und locker und verständlich geschrieben musste er sein.

Ein neuer Domführer ist erschienen: Anschaulich erzählen Heike Nelsen-Minkenberg und Christoph Stender vom Dom, Pit Siebigs (r.) lieferte die Fotos und Dompropst Helmut Poque (l.) freut sich. Foto: Harald Krömer

Deshalb versetzte sich das Autorenduo in die Perspektive des Durchschnittstouristen, der sich neugierig im Dom umguckt und später dann das, was er gesehen hat, noch mal in einem Büchlein nachlesen will. Die beiden haben also durch die Brille des ganz normalen Dombesuchers geguckt: „Der Domfuhrer ist kein Werk für Experten“, betont Heike Nelsen-Minkenberg.

„Seh- und Lesegewohnheiten ändern sich über die Jahre, daher musste eine modernere und ansprechendere Form her“, erklärt Heike Nelsen-Minkenberg. Als langjährige Domführerin entwickelte die Historikerin ein Gespür dafür, welche Fragen den Besuchern des Doms besonders auf dem Herzen liegen. Beispielsweise, was es mit dem Thron Karls des Großen auf sich hat. Den sieht man nämlich gar nicht, wenn man den Dom betritt. Er versteckt sich hoch oben im Umgang des Oktogons. Wie alt der Königsstuhl eigentlich ist, ist ein Rätsel. Und auch, warum er so aussieht, wie er aussieht. Sechs Stufen führen zu dem einfachen weißen Marmorstuhl empor, der nicht etwa den Anschein macht, dass auf ihm gekrönte Häupter saßen. Der Besucher erwartet eher ein pompöseres Möbelstück im Zentrum geistlicher und weltlicher Macht. Zu sehen bekommt den Königsstuhl jedoch nur, wer eine Führung macht. Karten hierfür sind in der Domschatzkammer erhältlich.

Einen weiteren Service des neuen Domführers erklärt der Priester und katholische Hochschulpfarrer Christoph Stender: „Erstmals haben wir auch die Liturgie berücksichtigt. Über die Form der verschiedenen Gottesdienste und anderer sakraler Handlungen ist Interessantes zu lesen.“

Großartig im Domfuhrer sind auch die Fotos von Pit Siebigs. Wie er mit seinem geschulten Auge selbst kleinste Details ins Bild setzt, ist schon phantastisch. Die Pala d’oro beispielsweise, den goldenen Altar. Zehn Bilder aus der Passion hat Siebigs meisterhaft fotografiert. Vom Einzug Jesu in Jerusalem bis zu den Frauen, die am Ostermorgen fassungslos am offenen, leeren Grab von Christus stehen. Die Pala d’oro war ein Geschenk von Otto III., der als dreijähriger Knirps im Jahr 983 in Aachen zum König gekrönt wurde.

Den Schwerpunkt der Broschüre legten die Autoren auf die Historie und die atemberaubende Architektur des Doms. „Aber auch auf theologische Inhalte macht der Führer neugierig“, findet Christoph Stender.

Besonders übersichtlich ist die Broschüre durch die farblich abgesetzten Infoboxen, in denen Wissenswertes kurz und knapp zusammengefasst ist. Auch der Grundrissplan auf der letzten Seite ist sehenswert und hilft vor allem, sich zurechtzufinden.

Die erste Auflage der Broschüre (3000 Exemplare) ist in deutscher Sprache erschienen. Im nächsten Jahr folgt eine englische Ausgabe. Später werden noch Versionen auf Niederländisch, Italienisch und Spanisch herausgegeben. Zu kaufen gibt es den Domführer im Buchhandel und im Dom. Ein Exemplar kostet drei Euro.

Quelle: Aachener Nachrichten, 29. Oktober 2008
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