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Horizont weiten in Salzburg

Horizont weiten in Salzburg

So traditionsreich wie die Festspiele: die Salzburger Hochschulwochen

Von Markus Vahle

Als Mozartstadt und Schauplatz der Festspiele ist Salzburg ein Begriff. Die alljährlichen nicht minder traditionsreichen Salzburger Hochschulwochen (SHW) sind es weniger. Zu Unrecht: Seit 1931 steht die Sommeruniversität für einen eindrucksvollen Aufgalopp namhafter Wissenschaftler zu theologischwissenschaftlichen Fragen der Zeit aus unterschiedlichsten Blickwinkeln.

Rund 1000 Interessierte finden jährlich den Weg in die österreichische Kulturmetropole. In den sieben Tagen der ursprünglich einmal auf zwei Wochen angelegten Salzburger Hochschulwochen, die dieses Jahr bereits zum 78. Mal stattfinden, geht es im Wesentlichen um eine wissenschaftlich breit fundierte Hinterfragung und Selbstvergewisserung katholischer Positionen. Wobei auch der ökumenische Aspekt stets eine große Rolle gespielt hat.

Programmvergleich der Salzburger Hochschulwochen von 1963 und 2008 (v.r.): Margot und Reinhard Feinendegen, Markus Navratil und Christoph Stender. Foto: Markus Vahle

Vor allem zur Zeit unmittelbar nach beziehungsweise während des Zweiten Vatikanischen Konzils, als das Interesse an theologischen Fragestellungen besonders groß war und in der katholischen Kirche allgemeine Aufbruch- und Reformstimmung herrschte, „spielte die Faszination bestimmter Persönlichkeiten für uns eine entscheidende Rolle“, erzählt Margot Feinendegen (68) aus Krefeld, die 1963 nach Beendigung ihres Lehramtsstudiums erstmals an den SHW teilnahm und dort ein Jahr später sogar ihren späteren Ehemann kennenlernte; 1965 reisten sie bereits als frisch vermähltes Paar nach Salzburg.

Berühmte Namen waren „Straßenfeger“

Namen wie der des Philosophen Hans-Georg Gadamer oder des renommierten Bibelexperten Rudolf Schnackenburg seien regelrechte „Straßenfeger“ gewesen und übten eine unvergleichliche Anziehungskraft und Faszination auf die Teilnehmer aus. „In Salzburg konnte man das erste Mal richtig aufleben, geistig auftanken. Das war sehr wichtig für mich“, sagt Margot Feinendegen. Das leicht vergilbte Programmheft und die Redemanuskripte von damals hat sie bis heute sorgfältig aufbewahrt.

Ihr Mann, der Historiker Reinhard Feinendegen (76), 1959 das erste Mal dabei, bestätigt: „Salzburg war für uns junge Leute eine Möglichkeit, unseren geistigen Horizont zu erweitern. Wir hatten damals sehr viel Nachholbedarf und Interesse mitgebracht. Für jene, die aus der Provinz kamen, bot die Stadt eine Fülle geistig-kultureller Anregungen.“ Wie so viele der jüngeren Teilnehmer damals kamen auch sie aus der katholischen Jugendbewegung und waren als solche auf die Hochschulwochen aufmerksam geworden. Die Unterbringung für damals 55 österreichische Schillinge pro Person erfolgte streng nach Frauen und Männern getrennt in schlichten Quartieren. „Das Frühstück musste man sich morgens an irgendeinem Milchbüdchen selber organisieren“, erinnert sich Margot Feinendegen schmunzelnd.

Als Mathematikstudent nach Salzburg

Die großen Namen der Zeit, die damals volle Hörsäle garantierten, und der schillernde Ruf der Mozartstadt mit ihrem breiten kulturellen Angebot waren lange Zeit Reklame genug. „Im Prinzip waren die Salzburger Hochschulwochen ein Selbstläufer. Aber sie sind mit ihren Teilnehmern in die Jahre gekommen“, bedauert SHW-Direktoriumsmitglied Christoph Stender, Hochschulpfarrer in Aachen.

Daher bemüht man sich von Seiten des Direktoriums und der Arbeitsgemeinschaft katholischer Hochschulgemeinden seit einigen Jahren verstärkt, die Hochschulwochen besonders für junge Menschen attraktiver zu gestalten und neue Akzente zu setzen, wie etwa durch die Auslobung eines Publikumspreises für Nachwuchswissenschaftler.

Auch Markus Navratil (22) freut sich wieder auf spannende Eindrücke und Begegnungen in Salzburg. Der Mathematikstudent aus Aachen hat 2007 erstmals den Weg nach Salzburg gefunden und war begeistert. „Für mich persönlich sind die Hochschulwochen eine enorme Bereicherung. Schließlich geht es dort auch um ganz handfeste Dinge, keineswegs nur um theologische.“

Persönliche Begegnung, wissenschaftliche Vorträge sowie kulturelles Rahmenprogramm in einer landschaftlich höchst ansprechenden Umgebung machen für Navratil den Reiz der Hochschulwochen aus. Nicht zuletzt sei die Teilnahme für Studierende besonders günstig. „Wann sonst kann man schon für 100 Euro eine ganze Woche Salzburg erleben“, sagt Stender – und: „Die, die teilgenommen haben, kommen wieder.“

Quelle: Kirchenbote – Wochenzeitung für das Bistum Osnabrück, 3. August 2008
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