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Der Synodale Weg

Hintergründe, Fallstricke und Perspektiven

„Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände. Ist doch ihre eigene Gemeinschaft aus Menschen gebildet, die, in Christus geeint, vom Heiligen Geist auf ihrer Pilgerschaft zum Reich des Vaters geleitet werden und eine Heilsbotschaft empfangen haben, die allen auszurichten ist. Darum erfährt diese Gemeinschaft sich mit der Menschheit und ihrer Geschichte wirklich engstens verbunden.“[1]

Die ersten Sätze eines Artikels entscheiden oft darüber, ob er sich weiterlesen lässt oder ob er überschlagen wird. Zu dem kontrovers betrachteten Thema Synodaler Weg ist deshalb zu bedenken, ob man zuerst die Argumente bzw. Gefühle der Befürworter anspricht oder die der Gegner? Gelten den Zweiflern die ersten Worte oder den Enthusiasten, den Juristen oder den Pastoralen?

Sich sorgen

Die ersten Sätze hier sprechen einen Sachverhalt an, der (fast) alle an der katholischen Kirche Interessierten verbindet.

Der erste Teil des Zitats, der Befindlichkeiten aufgreift und von Solidarität spricht, ist binnenkirchlich oft zitiert und scheint dadurch kraftlos. Der zweite Teil, weitgehend unbekannt, greift Wegmotive auf.

Dieses herausfordernde Zitat markiert den Charakter einer neuen (erneuerten) Bewegung, die alle Menschen guten Willens einschließt. Diese Zeilen vermitteln auch Grundlage und Absicht des Synodalen Weges, nämlich all jene anzusprechen, egal wie ausgerichtet und orientiert, die sich auch in ihrer Sorge von diesem Synodalen Weg auffordern lassen!

All jene, die sich auf dem synodalen Weg einander zumuten, verbindet die Sorge um die zukünftigen Wege unserer Kirche. Wer diese Sorge anderen abspricht und den Synodalen Weg von vorn herein für irregeleitet erklärt, der mag in einer aufgewühlten Kirche wohl nur zuschauen wollen, wie sie am Wegrand unserer Gesellschaft verblutet.

„Freude und Hoffnung, Trauer und Angst“ betrifft hier also die Menschen, die sich um unsere Kirche sorgen. Jedoch gibt es unterschiedliche Einschätzungen und Klärungsansätze auf Seiten der Besorgten. Das führt zu Konflikten.

Ja, Konflikte

Von Menschen gestaltete Gesellschaften und Institutionen sind nicht konfliktfrei. Problematisch aber sind nicht zwingend die Konflikte als solche, sondern ist deren Bewältigung.

Auch das noch in den Kinderschuhen sich befindende Christentum war nicht konfliktfrei, genauso wie die es „umgebende Gesellschaft“ auch.

Unterschiedliche Wahrnehmungen und deren Gewichtung, zuwiderlaufende Interessen und deren Etablierung, alleiniger Wahrheitsanspruch und dessen Installierung,
Traditionen und deren Unantastbarkeit waren Auslöser von Konflikten und sind es bis heute.

Gemeinsam

Vor diesem Hintergrund verbindet engagierte Menschen der Wille, gemeinsam gestalten zu wollen, was sich in der Wortsilbe „syn“ verdichtet.

Die Silbe „syn“ hat ihre Wurzel im Altgriechischen „􀄱􀈪􀈞“, das übersetzt so viel bedeutet wie zusammen, gemeinsam und zugleich. Diese Silbe bewegte schon erste
Christen vor über 2000 Jahren, die um ihre Gemeinschaft mit Christus (Kirche) in Sorge waren, und das wohl erste synodale Ereignis, das „Apostelkonzil” (um 48/49)
ermöglichten, in dem es um Auflagen bei der Zugehörigkeit zur Urgemeinde ging, wie die Bedeutung der Beschneidung.

Die Sorge um das „syn“ hat auch jene Christinnen und Christen bewegt, die die jüngere Kirchengeschichte mitgeschrieben haben: so die Frauen und Männer in der „Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland“ („Würzburger Synode“, 1971 bis 1975), jene in der „Pastoralsynode der Katholischen Kirche in der DDR“ (1973 – 1975) und auch jene, die den überdiözesanen Gesprächsprozess „Im Heute glauben“ (2011–2015) mitgetragen haben.

Darüber hinaus hat es immer wieder Bewegungen in den Bistümern selbst gegeben und es gibt sie aktuell sehr konzentriert, in denen in der Mehrzahl „Laien“ verantwortungsbewusst eine auch vom Missbrauch (MHG Studie) angefressene Kirche in die Zukunft führen wollen.

Beweggründe

Der Beginn der Offenlegung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche, besonders der Wissensstand in der Herbst-Vollversammlung 2019 der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Fulda veranlasste (nötigte) als weitere Reaktion die Bischöfe am 26.09.2019 zur Ankündigung einer neuen Kommunikationskultur innerhalb der Kirche:

am 25. September 2018 haben wir uns intensiv über notwendige Konsequenzen ausgetauscht, (…) und neben den Herausforderungen von Aufarbeitung und Aufklärung
der Fragen sexuellen Missbrauchs auch die drei übergreifenden Themen identifiziert, (…) die Grundlage für den Synodalen Weg sind. Nach zwei Sitzungen des Ständigen Rates haben wir bei der Frühjahrs-Vollversammlung in Lingen am 14. März 2019 den Synodalen Weg beschlossen.“[2]

Vor der Pressekonferenz, in der Kardinal Marx diesen Beschluss der Bischöfe zum Synodalen Weg verkünden würde, informierte er den Präsidenten des Zentralkomitees
der deutschen Katholiken (ZdK), Prof. Dr. Thomas Sternberg, über diese Entscheidung verbunden mit der Bitte, diese durch das ZdK mitzutragen. Der Präsident stimmte dem Anliegen zu, vorbehaltlich einer in der Vorbereitung des Synodalen Weg herzustellenden „Augenhöge“[3] zwischen den handelnden Personen. Diese Zusage wurde auch von den Gremien des ZdK[4] sukzessive mitgetragen und voranschreitend weiter ausgestaltet. Darüber hinaus begrüßte das ZdK grundsätzlich einen Synodalen Weg als ein lang erhofftes neu zu gestaltendes Kommunikationsformat zwischen Bischöfen und Laien, das über eine reine Beratung der Bischöfe durch die Laien hinausgehen soll und in eine neue Verbindlichkeit unter allen Beteiligten führen müsse, um so die Probleme der Kirche, die alle betreffen, auch gemeinsam anzugehen. Dies wurde resümierend schon angekündigt im Vorwort des Abschlussberichts zu dem von den Bischöfen initiierten überdiözesanen Gesprächsprozess „Im Heute Glauben (2011-2015): „Jetzt wird es darum gehen, das gewachsene Vertrauen in einer neuen Kultur der Verbindlichkeit zu vertiefen.“[5]

Vorläufig inhaltlich

Unmittelbar nach seinem Beschluss richtete die DBK drei Foren ein, die die Problemstellungen zu den Stichworten Macht, Sexualmoral und Priesterliche Lebensform entfalten sollten. Hinzu kam ein vom ZdK auf seiner Vollversammlung im Frühjahr 2019 beschlossenes viertes Forum zum Stichwort Frauen in Diensten und Ämtern, das von den Bischöfen dann auch mitgetragen wurde. Die Foren wurden von den Leitungsgremien bei DBK und ZdK mit Fachfrauen und Fachmännern besetzt, die beauftragt wurden, inhaltliche Vorarbeiten für den zu installierende Synodalen Wegs befristet bis zu dessen Auftakt (1. Advent) zu leisten.

Satzung üben

Parallel wurde in Zusammenarbeit von ZdK und DBK ein Satzungsentwurf des Synodalen Wegs entwickelt, der dessen Gremienstruktur und Themenfindung, die Arbeitsweisen, Abstimmungsverhältnisse und deren Transparenz regelt.

In der Herbstkonferenz der DBK 2019 in Fulda haben die Bischöfe mit einer überzeugenden Mehrheit nach leichten Veränderungen dem bisher gemeinsam erarbeiteten Satzungsentwurf zugestimmt, der wiederum auf der Sitzung des Hauptausschusses (HA) des ZdK am 18. Oktober geringfügig geändert wurde. Dieser Satzungsentwurf[6] und mit ihm das bisherige Procedere zum Synodalen Weg werden der Herbstvollversammlung des ZdK vom HA am 22. /23. November 2019 in Bonn vorgelegt mit der Empfehlung, dem zuzustimmen (Redaktionsschluss 22.10.2019).

Der Synodale Weg braucht eine Satzung, die die Kommunikation regelt, eine Präambel, die den Deutungshorizont erkennen lässt, und eine Geschäftsordnung, die das „Kleingedruckte“ regelt.

Diese Instrumente dienen der Ergebnisoffenheit des Synodalen Wegs. Damit ist der Synodale Weg kein ungeregelter Weg, der alles möglich macht, aber auch kein gegängelter Weg, der nur von Stoppschildern umgeben ist.

Dieser Synodale Weg wird ein „Mehr“ sein zwischen den bisherigen Beratungen der Bischöfe durch die Laien, die in unterschiedlichen Strukturen stattgefunden haben wie jüngst in dem Format „Im heute glauben“, und der tradierten Vollmacht der Bischöfe an sich.

Um dieses Miteinander umsetzen zu können, ist einerseits die Einübung neuer synodaler Schrittweisen der Laien untereinander in ihren eigenen Strukturen nötig, sowie andererseits auch neue Schrittweisen einzuüben unter den Bischöfen in ihren unterschiedlichen „Amtsgewichtungen“.

Biblisch gesprochen ist die Vorbereitung zum Synodalen Wege wie „neuer Wein in alten Schläuchen“ (vgl. Mt 9,17). Mit den bisherigen „alten“ Verfahren, Strukturelementen und Formaten unserer Kirche versucht sie, sich in die Zukunft hinein „neu“ zu fassen.

Silhouette des Synodalen Wegs

Dieser Synodale Weg muss ein immanent spiritueller sein, weil er seine bewegende Kraft nur aus der Leidenschaft für die Begegnung von Gott und Mensch schöpfen kann.

Spirituell

Im Gottesbezug der Gläubigen, der Hand und Fuß in der Menschwerdung Jesu bekommen hat, gründen Bewahrung und Erneuerung, die bewegenden und so gestaltenden
Kräfte unserer Kirche.

Die Bewegung in Veränderung kann aber nur gelingen, also Weg werden, wenn sie gemeinsam „ein-gesehen“ wird, deshalb miteinander gewollt, füreinander gestaltet, so aufeinander hin verantwortet und als Gabe der Kirche vor Gott getragen wird; und nur so kann sie auch Gottesdienst sein.

Der Synodale Weg findet in sich verwurzelte Gottesdienstformen, biblische Betrachtungen, Gebete und deutende Zeichen aus dem Reichtum kirchlicher Praxis.

Der immanent spirituelle Synodale Weg ist Weg unserer Kirche, inmitten der Realitäten unserer Gesellschaft, der jede Mächtigkeit und Ohnmacht durchleuchtet, das Aufeinander Hören und Miteinander Sprechen formt, gemeinsames Handeln antreibt, und so evangelisiert.

„Evangelisierung“ bzw. „Neuevangelisierung“ wird der Kirche in Deutschland zu deren Gesundung aus ihren unterschiedlichen Lagern selbst als therapeutisches „All“
Heilmittel verordnet.

Ungeachtet dessen aber scheint mir allgemein nachvollziehbar, dass Evangelisierung nur auf Glaubwürdigkeit aufruhen kann. Ohne Glaubwürdigkeit keine Evangelisierung. Glaubwürdig will der Synodale Weg sein.

Bischof Bode hält anlässlich der erweiterten Gemeinsamen Konferenz in seiner Predigt fest, dass Evangelisierung nur gelingen könne „indem wir synodal, was nicht
dasselbe ist wie demokratisch, gemeinsam den Blick auf den Größeren richten, gemeinsam darum ringen, was Gott von uns will, und was nicht nur von Alleswissern und Besserwissern ausgedacht ist.“[7]

Fair ringen

„Weiter ist der Mensch, seit ein Gespräch er ist.“[8] Diese verbale Dichte, überliefert als Zitat von Klaus Hemmerle, bringt es auf den Punkt: Nur im Gespräch werden wir Weg!

Dem Gespräch voraus geht: Höre! Dieses erste Wort in der Regel des Hl. Benedikt ist Conditio sine qua non, bedeutet also: So lange einander zuzuhören, bis nachvollziehbar, nicht unbedingt zustimmend, alle Beteiligten sich ausdrücken und verstanden werden konnten.

Weiter muss nach einer gemeinsamen Sprache gesucht werden. Das Sich Verstehen Wollen auch in der Gegensätzlichkeit muss gewollt sein.

Es bedarf der Geduld. Viele Argumente sind schon „ewig“ ausgetauscht, dann eben noch einmal.

Unterstellungen wie: Synodalität sei eine Kampfansage gegen die Kirche (Kardinal Burke)[9], zeugen von Ignoranz und Machtfantasien, und sind jeder kirchlichen Kommunikation unwürdig.

Der Synodale Weg dient nicht der Profilierung einzelner, sondern der Hervorhebung dessen, was gemeinsam geistbegabt geschaffen wurde.

Wer in den Medien vorkommen will, um sich abzusetzen von Andersdenkenden und diese deshalb als „fehlgeleitet“ brandmarkt, ist kein Player mit auf dem Synodalen Weg und will es wohl auch nicht sein.

Es muss von gemeinsamem Interesse sein, nicht den Medien aufgrund mangelnder Informationen die Urteilsbildung zu überlassen, sondern offen und transparent die gegangenen und die anstehenden Schritte zu kommunizieren, das bedeutet ggf. auch zu sagen, warum im ZdK und in der DBK nicht um jeden Preis auch noch „die Letzten“ gegen ihre Erkenntnis auf dem Synodalen Weg mitzutragen sind, sondern auszuhalten, dass „Letzte“ nicht Schritt halten wollen.

Aufeinander hin Entscheiden

Wie wurden bisher in der katholischen Kirche Entscheidungen getroffen? Die Laien haben die Bischöfe beraten, diese dann entschieden.

In der schon erwähnten Predigt von Bischof Bode zur Gangart des Weges differenziert er, dass der Weg synodal sei, „was (aber) nicht dasselbe ist wie demokratisch (…)“[10]

Kirchenrechtlich klar ist auch, dass die Diözesanbischöfe die Letztverantwortlichen in ihren Bistümern sind.

Die Vollversammlung des ZdK am 10./11. Mai 2019 in Mainz hat bezogen auf ihre Beteiligung am Synodalen Weg beschlossen: „An diesem Prozess soll sich das ZdK gleichberechtigt auf Augenhöhe beteiligen.“ [11]

Um dem Puls des neuen Synodalen Weges schlagen zu hören, müssen alle Beteiligten, muss Kirche leiser werden!

Denn: Nicht die Entscheidung ist das primäre „Kerngeschäft“ dieses Synodalen Weges, sondern der Weg zur Entscheidung, wie also Entscheidungen zukünftig synodal herbeigeführt werden sollen.

Neu entfaltete Synodalität kann ihr „wahres“ Gesicht dann zeigen, wenn die mit Macht Ausgestatteten diese nutzen, und gemeinsam Beschlossenes mit ihr sanktionieren.

Darüber hinaus müsste der Synodale Weg die Freiheit ermöglichen, gemeinsam Erkanntes auch zu wollen, mit der Konsequenz, dass dieses zu realisierende Gewollte, vielleicht erst im Nachhinein kirchenrechtlich – erkannt als dem Evangelium folgend – ermöglicht werden würde. Die Konsequenz allerdings: Gemeinsam entschieden, gemeinsam verantworten.

Prozess

Der Charakter dieses Synodalen Weges muss das Procedere seiner selbst hervorbringen, das nicht schon im Vorhinein „gesetzt“ sein kann. Darauf bezogen macht der
Ausdruck mal Sinn, „der Weg ist das Ziel“. Ja, der Synodale Weg ist das Ziel, dessen Entfaltung seiner Intention entsprechend nicht auf einen begrenzten Zeitraum festgelegt werden kann.

Es bedarf des Weges und gut bemessener Zeit, um auch die Lehre der Kirche durchlässiger werden zu lassen für fundierte „neue“ theologische Einsichten und Durchblicke.[12]

In puncto Zeit werden so manche, besonders „Wanderrinnen“, unruhig sein, da sie doch schon seit Jahren auf die Durchlässigkeit der Lehre z.B. zum Thema Frauenordination warten und drängen. Zuletzt auf dem Kongress am 13. Dezember. 2017 in Osnabrück zum Thema „Frauen in kirchlichen Ämtern – Reformbewegungen in der Ökumene“, wurde die schon früher hergeleitete Einsicht formuliert: „Nicht der Zugang von Frauen zu den kirchlichen Diensten und Ämtern ist begründungspflichtig, sondern deren Ausschluss.“[13]

Wissenschaftliche Erkenntnis darf auf dem Synodalen Weg nicht als Willkür und Kampfansage gegen die hierarchisch verfasste Kirche verstanden werden, sondern als ein Beitrag zur Erkenntnis mit und in ihr.

Weltkirche

Der Synodalen Weg hat nicht das Ziel, eine Spaltung der Kirche herbeizuführen.

Engagierte Frauen und Männer unserer Kirche wollen auf diesem Weg notwendige Veränderungen andenken, die auch über die deutschen Diözesen hinaus für andere Regionen und Länder relevant sein können.

Die Intention des Synodalen Weges bestärkt der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Dr. Nikola Eterović in seinem Grußwort zur Herbst-Vollversammlung der DBK 2019 in Fulda: „Es handelt sich im Kern um einen synodos, einen gemeinsamen Weg unter der Führung des Heiligen Geistes. Das aber bedeutet, sich gemeinsam auf den Weg zu begeben mit der ganzen Kirche unter dem Licht des Heiligen Geistes, unter seiner Führung und seinem Aufrütteln, um das Hinhören zu lernen und den immer neuen Horizont zu erkennen, den er uns schenken möchte“.[14]

Die erweiterte Gemeinsame Konferenz[15] hat auf das Schreiben von Papst Franziskus, welches er am 29. Juni 2019 an „das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ gerichtet hat geantwortet und die Intention des Synodalen Weg dargelegt:

„Es bestärkt uns, dass Sie (Papst Franziskus ist gemeint) unsere Sorge um die Zukunft der Kirche in Deutschland teilen und dass Sie uns zur Suche nach einer freimütigen Antwort auf die gegenwärtige Situation ermuntern. Wir sehen wie Sie, dass wir unseren gesamten Weg vom Primat der Evangelisierung herangehen müssen. Wir sind entschlossen, den Synodalen Weg als einen geistlichen Prozess zu gestalten. Wir sind im kirchlichen Sinn mit Ihnen verbunden, weil wir sowohl die Einheit der ganzen Kirche als auch die Situation vor Ort im Blick haben und weil uns die Beteiligung des ganzen Volkes Gottes ein großes Anliegen ist.“[16]

Diesen Synodalen Weg in Deutschland gehen zu wollen ist auch Ausdruck einer Mitverantwortung für die universale Kirche. Diese Verantwortung hat die Kirche in Deutschland in der Vergangenheit immer wieder mit Leben gefüllt in ihrem weltweiten Engagement z.B. durch die Werke Misereor, Mission, Renovabis oder den ungezählten Partnerschaften, die einzelne Gemeinden mit Partnergemeinden in der ganzen Welt pflegen.

Formate entstehen

Mit diesem Synodalen Weg bedient sich die katholische Kirche in Deutschland bewusst nicht ihrer offiziell geregelten und so eingefahrenen Instrumente der „Übereinstimmung“ (Abstimmung) wie einer Synode. Grundlegend erläutert Kardinal Marx hierzu: „Wir werden Formate für offene Debatten schaffen und uns an Verfahren binden, die eine verantwortliche Teilhabe von Frauen und Männern aus unseren Bistümern ermöglichen. Wir wollen eine hörende Kirche sein. Wir brauchen den Rat von Menschen außerhalb der Kirche“.[17]

Das neue Format (Marx), dass der Synodale Weg in unserer Kirche entfalten will, gilt es also aus den realen Gegebenheiten unserer Kirche heraus zu „ent-decken“ und regt jene an, die es ermöglichen – anders als bisher -, neue Wege zu gehen und gemeinsam Entscheidungen herbeizuführen.[18]

Über den Tellerrand

Der inhaltliche Start des Synodalen Weges, mit den dann verbindlichen Foren zu den Themen Macht und Gewaltenteilung, Sexualmoral, Priesterliche Lebensform und Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche, sind ihren Entstehungsprozessen geschuldet, rein kircheninterne (strukturelle) Anliegen.

Der sich selbst entwickelnde Synodale Weg aber ist von seiner Intention her ein offen angelegter Weg, offen für alle Anliegen, die unsere Gesellschaft und das Wohl der Welt betreffen.

Deshalb können die Menschen auf diesem Weg, die einander zuhören und gehört wurden, aus dem Glauben heraus verbunden und so als Gemeinschaft stark gemacht die Kraft entwickeln, konkret in die Gesellschaft hinein zu wirken: handfest im Umweltschutz, der Häuslichen Pflege, im Dienst sozialer Gerechtigkeit, an der Seite Benachteiligter …

Der Synodale Weg lebt aus dem geteilten Wort, und findet sich selbst wieder im verbindlichen Handeln, zum Wohl der uns anvertrauten Schöpfung.

Anmerkungen:
1 Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute „Gaudium et Spes“, GS Nr. 1 http://www.vatican.va/archive/hist_councils/ii_vatican_council/documents/vat-ii_const_19651207_gaudium-et-spes_ge.html (25.09.2019).
2 26.09.2019 Abschlusspressekonferenz der Herbst-Vollversammlung 2019 der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda. Pressebericht von Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. https://www.dbk.de/presse/aktuelles/meldung/abschlusspressekonferenz-der-herbst-vollversammlung-2019-der-deut schen-bi schof skonferenz-in-fulda/detail/(25.09.2019).
3 Vgl. zu „Augenhöhe“ Domradio: https://www.domradio.de/themen/laien/2019-05-10/umzug-synodaler-weg-und-kirchentag-viel-abstimmungsbedarf-bei-zdk-vollversammlung (20. 08.2019).
4 Vgl.: Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken am 23./24. November 2018 https://www.zdk.de/veroeffentlichungen/erklaerungen/detail/Entschlossenes-gemeinsames-Handeln-jetzt–247N/ (20. 08.2019).
5 Abschlussbericht zum Überdiözesanen Gesprächsprozess „Im Heute Glauben (2011-2015). Herausgeber: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, S. 5.
6 Die der VV des ZdK vorgelegte Satzungsentwurf ist veröffentlicht auf der Homepage der DBK unter „Synodaler Weg“
7 Bischof Franz Josef Bode in: https://www.dbk.de/fi leadmin/redaktion/diverse_downloads/presse_2019/2019-143a-Erw.-Gemeinsame-Konferenz_Predigt-Bischof-Bode.pdf (25.09.2019).
8 Überliefert: Hemmerle / Hölderlin
9 Kardinal Raymond Burke in: https://www.freiewelt.net/nachricht/mit-dem-schlagwort-synodalitaet-wi… (25.09.2019)
10 14.09.2019 | Pressemeldung | Nr. 143. Erweiterte Gemeinsame Konferenz beendet Tagung zur Vorbereitung des Synodalen Weges in Fulda https://www.dbk.de/presse/aktuelles/meldung/erweiterte-gemeinsame-konferenz-beendet-tagung-zur-vorbereitung-des-synodalen-weges-in-fulda/detail/(25.09.2019).
11 Siehe auch: https://www.monika-gruetters.de/artikel/vollversammlung-des-zentralkomitees-der-deutschen-katholiken-zdk (25.09.2019).
12 Gesellschaftliche Entwicklungen bedürfen ggf. auch neuer „sakramentaler“ Zuwendungen, verbunden dann auch mit der Frage wer diese ausübt.
13 Osnabrücker Thesen. https://www.katholisch.de/artikel/15806-theologinnen-fordern-weiheamt-fuer-frauen (18. 09. 2019)
14 Aus dem Brief von Papst Franziskus an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland Nr. 3, zitiert in: Grußwort von Erzbischof Dr. Nikola Eterović, Apostolischer Nuntius in Deutschland zur Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am 23. September 2019 in Fulda https://www.dbk.de/presse/aktuelles/meldung/grusswort-von-erzbischof-dr-nikola-eterovic-apostolischer-nuntius-in-deutschland/detail/) (25.09.2019).
15 Die „Gemeinsame erweiterte Konferenz“, die bisher einmal getagt hat, besteht aus der sich zweimal im Jahr treffenden „Gemeinsamen Konferenz“, zu der 10 Bischöfe gehören und 10 Vertreter und Vertreterinnen des ZdK, und ist erweitert um 10 weitere Bischöfe und 10 Personen die auf der Frühjahresvollversammlung des ZdK 2019 gewählt wurden. Ihre Aufgabe war es den Stand der Vorbereitung des Synodalen Weg einzuschätzen.
16 https://www.zdk.de/veroeffentlichungen/meldungen/detail/Brief-an-Papst-Franziskus-ueberreicht-128h/ (25.09.2019).
17 Kardinal Marx, Frühjahrs-Vollversammlung in Lingen am 14. März 2019.
18 Bei der Erstellung der Satzung wurde auch die Abstimmung geregelt, die Gewichtung der Stimmen von Laien und Bischöfen. So wie ich die Grundintention des Synodalen Weges von seiner Initiierung her verstehe, im Sinne eines Aufeinander hin synodal Entscheidens, hätte die Abstimmungsmodalitäten sich aus dem Synodalen Prozess heraus entwickeln müssen, und nicht (nach alter Ordnung) im Vorhinein festgelegt werden dürfen.

Erschienen in:  Pastoralblatt für die Diözesen Aachen, Berlin, Essen, Hildesheim, Köln und Osnabrück, 12/2019, S. 362 ff
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