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Intention der Aktion

Nacht, Schatz

Intention der Aktion „Nacht, Schatz“
im Rahmen der Heiligtumsfahrt 2000

Karlsbüste

Die Karlsbüste steht „stellvertretend“ für die Grundkonzeption dieser Veranstaltung. Sie beinhaltet eine Primärreliquie (Selbstaussage) die sie selbst verkörpert als sprechendes Reliquiar. Dadurch, daß sie nun über eine CD zu einer akustisch wahrnehmbaren sprechenden Büste wird, ist sie didaktisch ergänzt und eröffnet so dem Betrachtenden die Möglichkeit in eine (überbrückte) Kommunikation mit dem Exponat zu treten.

Im Besonderen eröffnet die Karlsbüste den Rundgang durch die ausgewählten, mit Installationen versehen Exponaten. Sie macht auf ein Grundbedürfnis des Menschen aufmerksam, zu sprechen und gehört zu werden. Durch ihre didaktische Verfremdung übersteigert sie real ihre ursprüngliche Intention, „zu erzählen und gehört zu werden“. So berichtet sie nicht nur über ihre „Daseinsberechtigung“, sondern sie lädt auch ein über der Konzeption der Schatzkammer etwas zu erfahren, von den Menschen die sie besuchen, sowie von ihren „Erlebnissen“ in diesen Räumen. So gewinnt der Hörende einen fast spielerischen Zugang zu dieser, vielen Menschen noch fremden Welt des Schatzes und dem was er mitzuteilen hat.

Lotharkreuz

Das Lotharkreuz, im Original reduziert auf die „reiche Seite“, wird „überschattet“ von einem stark vergrößerten Repro seiner „armen Seite“. Die Wirklichkeit schmerzlicher Grenzerfahrung wird fokussiert in die Auferstehungshoffnung christlichen Glaubens, in der der Schmerz letztlich in den Hintergrund treten soll. Über die Installation kleiner, unterschiedlicher persönlicher Kreuze will dieses Exponat anknüpfen an die vielfältigen Lebenserfahrungen der Betrachtenden und deren Bewältigung, als ein ganz persönliches Erleben, wach rufen. So will diese Installation einen sehr intimen Bereich ansprechen und ist daher auch abgesperrt, um Respekt vor diesen persönlichsten Erfahrungen zu signalisieren. (Es wäre zum Beispiel auch möglich, einen Ring zu den kleinen Kreuzen hinzuzufügen, um so das Spektrum persönlicher Erfahrungen auf diesem Hintergrund zu weiten.)

Aachenaltar, Gregorsmesse, Monstranz von Hans von Reutlingen

Ein einfach gedeckter Tisch stellt nur eine Frage: Was brauchen wir Menschen um zu leben? Was liegt auf deinem Tisch der Kommunion und Kommunikation, Betrachter, damit du leben kannst? Der „Aachenaltar“, die Monstranz und die „Gregorsmesse“ sind Angebote den eigenen „Tisch des Lebens“ mit lebensnotwendigem zu bereichern. Zentrale Frage ist: Welche Kommunikation im weitesten Sinne ist lebenswichtig

Situla

Die Situla, ein (Weih-) Wassergefäß, in Kombination mit leise plätscherndem Wasser möchte die Frage anregen: Was macht uns Menschen stark, wer sind wir und was macht mich aus, der auch ich zu 78% aus Wasser bestehe? Darüber hinaus stellt uns diese nur angedeutete Selbstverständlichkeit, Wasser in ausreichendem Maß nutzen zu können, vor die Frage: Wie gehen wir eigentlich mit all den „Dingen“ um die wir als Selbstverständlich erachten und die deswegen auch von uns so selten als Lebensnotwendige Geschenke betrachtet werden?

Reliquienraum

In einfacher Klarheit wird die Begrenztheit all dessen angesprochen, das wir als Leben bezeichnen. Durch eine Vitrine voller menschlicher Knochen hindurch sind Bilder alltäglicher Lebensfreude zu sehen. Diese Installation stellt uns vor die radikalste Wahrheit unseres Lebens und will sie auch bewußt vor Augen führen. Jedoch nicht als Mahnung sondern im Sinne einer Relativierung.

Reliquien erinnern an Menschen deren Leben eine besondere Botschaft für Zeitgenossen oder die Adressaten der Viten solcher Menschen mit einer besonderen Botschaft haben und hatten. Dadurch aber, daß wir ganz „normale“ Menschen auf den Bildern im Kontext der Vergänglichkeit zeigen, ist die Frage intendiert, welche Botschaft soll das Leben dessen haben, der sich auf diese Wahrheit bewußt einläßt.

Marienraum

Maria, eine wirklich mutige, da freie Frau? Die herkömmlichen Mariendarstellungen wirken eher lieblich, willenlos, leicht entrückt und so (scheinbar) fern jeder Realität. In Kombination mit aktuellen Bilder von Frauen in heutigen Lebenssituationen, wollen wir das Vorurteil von einer Maria ohne eigenem Profil, nämlich das einer Frau die in ihrer Zeit ihre Frau stand, durch- brechen mit der Fragestellung, ob diese Bilder einer „modernen“ Frau in plattem Gegensatz zu der biblischen Maria stehen. Gleichzeitig stellt diese Installation die Frage, ob diese modernen Frauenbilder wirklich Bilder einer freien Frau sind, oder ob nicht gerade diese biblische Maria einen Weg in viel größerer Freiheit gegangen ist, als wir uns das heute vorstellen können oder wollen?

Eine Entscheidung der biblischen Maria bleibt aber unbestreitbar, ihre Bereitschaft auf der Seite Gottes stehen zu wollen. So hat sie ihr Gesicht nicht verloren sonder Profil bekommen. Mit der Spiegelinstallation hinter einem transparenten gotischen Marienkopf laden wir den sich Spiegelnden ein der Frage nachzugehen, welches Profil er als Christ und Christin gewinnen möchte!

Proserpinasarkopharg (Ausschnitt)

Am Ende dieses Rundgangs stehen zwei Gesichter, das der Proserpina und das des Gottes der Unterwelt Pluto im Vordergrund.

In Kombination mit einem Text, der das Geschehen zu beschreiben versucht, wird eine der größten Sehnsüchte des Menschen angesprochen, geliebt zu sein und zu lieben. Hier wird nur noch thematisiert, wie letztlich wir nur machtlos vor unsere Sehnsucht nach Liebe stehen können, wissend darum, das lieben und geliebt werden ein Geschenk ist, das auch wir nicht durch Raub, Macht und Nötigung uns nehmen können. Liebe will sich einem Menschen zuflüstern!

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